Donnerstag, 16. Juli 2015

Das Jahr, in dem ich dich traf || Leseprobe || Roman

#4

Ein weiterer schlechter Nebeneffekt dessen, dass ich gefeuert worden bin, ist die Tatsache, dass mein Vater ungebeten bei mir auftaucht. So auch heute: Als ich heimkomme, entdecke ich ihn mit meiner Stiefschwester Zara im Vorgarten. Zara ist drei, mein Vater dreiundsechzig. Vor drei Jahren hat er sich aus seiner Druckerei zurückgezogen und sie zu einem sehr guten Preis verkauft, der ihm jetzt ein angenehmes Leben ermöglicht. Gleich nach Zaras Geburt wurder er hauptberuflich Ehemann und Vater, während Leilah, seine Frau, in einem eigenen Studio als Yogalehrerin arbeitet. Ich finde es wunderbar, dass Dad eine zweite Chance Unterdessen meisterte meine Mum und die Realität mit großer Kraft und Sicherheit, obwohl sie später zugab, dass sie dabei oft ,,Bambi-Beine" gehabt habe, wie sie sich ausdrückte- Ich bekam das nicht mit, ich sah sie nie zögern oder einen falschen Schritt machen, sie erweckte immer den Eindruck, dass sie die Dinge unter Kontrolle hatte. Im Spaß sagte sie oft, dass ich mich praktisch selbst großgezogen hätte, und entschuldigte sich sogar dafür. Aber für mich war immer klar, dass Heather wichtiger war und mehr Zuwendung brauchte als ich, und ich fühlte mich nie ungeliebt - es war einfach so. Auch ich liebte Heather, und ich weiß, dass es Mum, als sie von der Welt Abschied nehmen musste, vor allem schwerfiel, Heather zurückzulassen. Heather brauchte Mum, Mum hatte Pläne für Heather, und es brach ihr das Herz, dass sie sich nicht mehr um Heather kümmern konnte. Damit kann ich leben, das verstehe ich. Mir brach der Tod meiner Mutter das Herz nicht nur, weil ich selbst um sie trauerte, sondern auch, weil ich wusste, was er für sie und meine Schwester bedeutete. 
Heather ist keineswegs so unbekümmert, wie es dem Klischee von Menschen mit Down-Syndrom entspricht. Wie wir alle hat sie gute und schlechte Tage, aber grundsätzlich ist sie eine optimistische Persönlichkeit - was nichts mit dem Down-Syndrom zu tun hat. Ihr Leben folgt einer festen Routine, was sie sehr zu schätzen weiß, denn so hat sie alles unter Kontrolle. Deshalb reagiert sie auch verwirrt und teilweise richtig beunruhigt, wenn ich zu ungewohnten Zeiten bei ihr zu Hause oder an ihrem Arbeitsplatz auftauche. Heather braucht ihren geregelten Alltag - noch ein Beweis dafür, wie ähnlich wir uns sind. Weil sie nicht auf die Ritzen treten will, hüpft Zara von einem Pflasterstein zum nächsten und besteht darauf, dass Dad es genauso macht. Er tut es. Inzwischen bin ich auf so etwas ja gefasst, aber zu beobachten, wie er mit seinem über der Hose hängenden Weihnachtsbauch herumhopst, wirft in mir trotzdem die Frage auf, wer dieser Mann eigentlich ist. Als ich vor meinem Haus halte, blickt er auf. 
,,Ich wusste gar nicht, dass ihr kommt", sagte ich ganz locker. Übersetzung: Sag mir gefälligst vorher Bescheid, wenn du vorbeikommen willst. 
,,Wir haben einen kleinen Ausflug an die Küste gemacht und den Wellen zugeschaut, stimmt´s, Zara?", fragt er. ,,Erzähl Jasmine doch mal von den Wellen. Die waren riesig, die Wellen, stimmt´s?"
Zara nickt und macht große Augen. Dann streckt sie die Arme aus, um eine Größe anzudeuten, die für eine Welle enttäuschend wäre, für die sie sich aber mächtig strecken muss. 
,,Und die Wellen sind an die Felsen gekracht, stimmt´s? Erzähl es Jasmine."
Zara nickt wieder. ,,Die Wellen sind an die Felsen gekracht."
,,Und in Malahide haben die Wellen Küstenstraße nassgespritzt", fährt Dad unbeirrt fort, wieder mit seinem kindischen Ton, und ich wünschte, er würde mir die Geschichte einfach direkt erzählen.
,,Wow", sagte ich, lächelte Zara zu und breite die Arme aus. Sofort kommt sie angesaust, schlingt ihre langen dünnen Beinchen um mich und drückt mich ganz fest. Ich habe nichts gegen Zara. Zara ist echt süß. Nein. Zara ist wunderschön. Sie ist in jeder Hinsicht perfekt, und ich vergöttere sie. Es ist nicht Zaras Schuld. Niemand ist schuld, denn nichts ist passiert, es ist nur mein Ärger darüber, dass mein Vater es sich angewöhnt hat, unangekündigt vorbeizukommen, seit ich arbeitslos bin, und allmählich erzeugt dieser Ärger etwas, was in Wirklichkeit nicht da ist. Ich weiß das. Ich erkläre es dem vernünftigen Teil in mir.
,,Wie geht´s dir, mein Spaghetti-Beinchen?", fragte ich Zara, während ich die Tür aufschließe. Beim Reden werfe ich einen schnellen Blick zu Ihrem Haus hinüber. Das mache ich oft in letzter Zeit, ich kann anscheinend nicht anders. Das muss aufhören, ich weiß. Tagsüber passiert sowieso nie etwas, Sie lassen sich kaum sehen, nur Ihre Frau kommt und geht mit den Kindern. Ich weiß selbst nicht, was ich erwarte.
,,Hast du deinem Dad erzählt, dass wir letzte Woche Cupcakes gebacken haben?", fragte ich Zara.
Zara nickt wieder, und auf einmal wird mir klar, dass ich genau das Gleiche mache wie mein Dad. Das muss doch frustrierend sein für sie, aber anscheinend kann ich es auch nicht abstellen.
Dad und ich unterhalten uns durch Zara. Wir sagen Dinge zu ihr, die wir einander eigentlich direkt sagen sollten. Ich erzähle Zara, dass wir an Silvester einen Stromausfall hatten und noch etliche andere Dinge, die sie überhaupt nicht wissen muss. Eine Weile hört sie aufmerksam zu, aber dann wird es ihr zu viel, und sie läuft weg.
,,Dein Freund ist mal wieder in Schwierigkeiten", sagt Dad, als wir mit einer Tasse Tee und Keksen, die von meinem riesigen Vorrat an Weihnachtssüßigkeiten noch übrig sind, am Tisch sitzen und zuschauen, wie Zara die Kiste mit den Spielsachen, die ich für sie bereithalte, auskippt.
,,Welcher Freund?", frage ich beunruhigt.
Dad nickt zu Ihrem Haus hinüber. ,,Dieser Mann da, wie heißt er gleich?"
,,Matt Marshall? Der ist nicht mein Freund", erwidere ich empört.
,,Na, dann eben dein Nachbar", sagt Dad, und dann beobachten wir wieder beide Zara.
Nur weil das Schweigen zu lange dauert und mir nichts Besseres einfällt, frage ich schließlich: ,,Warum - was hat er denn gemacht?"
,,Wer?", fragt Dad und taucht mit einem Ruck aus seiner Zara-Trance auf.
,,Matt Marshall", stoße ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor, denn ich hasse es, wenn ich nac Ihnen fragen muss - von zweimal ganz zu schweigen.
,,Ach, der", brummt Dad, als wäre es mindestens eine Stunde her, dass er das Thema angesprochen hat. ,,Es hat Beschwerden gegeben wegen der Silvestersendung."
,,Er kriegt doch ständig Beschwerden."
,,Vermutlich waren es mehr als sonst. Es steht jedenfalls in allen Zeitungen."
Wir schweigen wieder, und ich denke an Ihre Sendung. Ich hasse ihre Sendung, ich höre sie nie, das heißt, ich habe sie nie gehört, erst in letzte Zeit schalte ich sie manchmal ein, weil ich wissen will, ob das aktuelle Thema irgendwie in Zusammenhang steht mit dem Zustand, in dem Sie heimkommen, denn Sie sind ja nicht jede Nacht betrunken. Nur drei- bis viermal die Woche. Aber bisher
konnte ich keine direkte Korrelation feststellen.
,,Na ja, er hat das Neue Jahr damit eingeläutet, dass er eine Frau zum ..."
,,Ich weiß, ich weiß", unterbreche ich ihn, weil ich nicht hören will, wie mein Vater das Wort Orgasmus ausspricht. ,,Ich dachte, du hörst seine Sendung nicht", sagt er zu seiner Verteidigung.
,,Aber ich hab was über sie gehört", murmle ich und gehe auf alle viere, um Zara mit dem Lego zu helfen. ich rekapituliere Ihre Silvestersendung - Sie und Ihr Team fanden es zum Schieflachen, das neue Jahr damit zu beginnen, dass man eine Frau beim Orgasmus hört. Dann gab es ein Quiz, in dem ein vorgetäuschter Orgasmus von einem echten Orgasmus unterschieden werden sollte, und dann eine ausführliche Diskussion über Männer, die beim Sex einen Orgasmus vortäuschen. Es war nicht anstößig, jedenfalls nicht für mich und auch nicht im Vergleich mit dem Dreck, über den Sie in anderen Sendungen schon manchmal gesprochen haben, und da mir nicht bewusst war, dass auch Männer gelegentlich einen Orgasmus vortäuschen, sogar ansatzweise informativ, obwohl die Idioten, die Sie in der Sendung zu Wort kommen ließen, nichts sonderlich Aufschlussreiches zum Thema beizutragen hatten.
Das klingt jetzt vielleicht, als wollte ich Sie verteidigen, aber so ist es nicht. Es war nur einfach nicht Ihre schlechteste Sendung.
,,Was für Schwierigkeiten hat er denn?", frage ich.
,,Wer denn?", fragte Dad, und ich zähle im Kopf bis drei.
,,Matt Marshall."
,,Oh. Die haben ihn gefeuert. Oder zumindest beurlaubt. Ich weiß nicht, was. Ich würde sagen, er ist draußen. War ja auch lange genug dabei."
,,Er ist doch erst dreiundvierzig", sage ich. Es klingt schon wieder, als wollte ich Sie verteidigen, aber ich meine es nicht persönlich. Ich bin dreiunddreißig, und ich muss einen neuen Job finden, ih denke viel über das Alter nach, vor allem darüber, welche Einstellung man in der Arbeitswelt dem Alter gegenüber hat.
Wenn ich mir vorstelle, dass Sie gefeuert worden sind, dann freue ich mich. Ich konnte sie noch nie leiden, ich hab mir immer gewünscht, dass Ihre Sendung aus dem Programm verschwindet, aber jetzt fühle ich mich plötzlich schlecht und weiß nicht, warum. Vielleicht weil ich seit neustem jeden Morgen Ihren Kindern und Ihrer netten Frau zuwinke.
,,Wie sich herausstellt, war tatsächlich eine Frau im Studio", erzählt Dad und macht dabei ein ziemlich unbehagliches Gesicht.
,,Na ja, es klang auch nicht wie ein Mann."
,,Nein, sie hat sich wirklich, na, du weißt schon." Er sieht mich an. ,,Sie hat sich wirklich selbst befriedigt. Live im Studio", sagt Dad.
Mir dreht es fast den Magen um, einerseits, weil ich mich mit meinem Dad über so was unterhalte, andererseits, weil ich vor meinem inneren Auge sehe, wie Ihre Leute das im Studio inszenieren, den Countdown bis Mitternacht, und wie Ihr Team sich schieflacht über diese Frau.
Und da hasse ich Sie wieder.

Ich hebe Zara in ihren Autositz und drücke einen Kuss auf ihre kleine Knopfnase.
,,Ich könnte mit Ted sprechen, wenn du möchtest",
sagt Dad plötzlich, als führe er ein Gespräch fort, an das ich mich nicht erinnere.
"Wer ist Ted?", erkundige ich mich stirnrunzelnd.
"Ted Clifford", antwortet er und zuckt die Achseln, als wäre das keine große Sache.
Die Wut kocht so schnell in mir hoch, dass ich mich ernsthaft zusammenreißen muss, um nicht hier und jetzt die Beherrschung zu verlieren. Und es fällt mir ziemlich schwer. Ted Clifford ist der Mann, an den Dad sein Geschäft verkauft hat.
,,Nein", sage ich abrupt. ,,Danke. Du brauchst mir keinen Job zu besorgen."
Mein Stolz. Der so leicht zu verletzten ist. Ich will keine Hilfe, ich hasse das. Ich muss alles allein erledigen, immer.
,Ich sag ja nur. Da wäre es ganz einfach, den Fuß in die Tür zu kriegen. Ted ist jederzeit bereit, dir zu helfen."
,,Ich brauche aber keine Hilfe."
,,Aber du brauchst einen Job." Er lacht leise und sieht mich an, als wäre er amüsiert, aber ich weiß, das ist bei ihm nur ein Vorbote der Wut.
,,Okay, Jasmine, mach, was du willst, das machst du doch sowieso." Dann steigt er ins Auto und fährt davon.
Er sagt das, als wäre es etwas Schlechtes. Mach, was du willst. Aber es ist doch gut, wenn die Leute das tun, was sie wollen, was sie richtig finden - oder etwa nicht?
Warum sollte ich etwas auf seine Art tun wollen, wann hab ich das jemals gewollt? Und dann fällt mir wieder ein, dass es anscheinend ein Problem gibt, wo vorher nie ein Problem war, und ich erschrecke ein bisschen. Ich merke, dass ich in der Kälte stehe und dem Auto meines Vaters nachstarre, das längst verschwunden ist. Hastig schaue ich über die Straße zu Ihrem Haus, und ich glaube, im Obergeschoss bewegt sich ein Vorhang. Aber wahrscheinlich hab ich mir das nur eingebildet.

Als ich später im Bett liege, kann ich nicht einschlafen. Ich bin wütend. Ich führe halbfertige Gespräche mit meinem Dad, mit meinem Job, mit dem Mann, der mit heute Morgen auf dem Parkplatz die letzte Lücke weggeschnappt hat, mit der Wassermelone, die mir auf dem Weg vom Auto ins Haus aus der Hand gerutscht und aufgeplatzt ist und die ganze Gegend inklusive meiner Wildlederstiefel vollgespritzt hat. Ich schimpfe, ich fühle mich im Recht, ich verfluche alle, ich konfrontiere sie mit ihren Fehlern. Aber es hilft nichts, ich fühle mich nur noch schlechter.
Frustriert und durstig setze ich mich auf.
Rita, die Reiki-Frau, bei der ich heute war, hat mir gesagt, dass so etwas passieren würde. Nach unserer seltsamen Sitzung habe ich mich kein bisschen anders gefühlt als vorher, aber sie hat mir geraten, ich solle viel Wasser trinken - und stattdessen habe ich mir vor dem Schlafengehen eine Flasche Wein genehmigt. Ich war noch nie bei einer Reiki-Behandlung, und ich werde vermutlich auch nie wieder zu einer gehen, aber meine Tante hatte mir einen Gutschein zu Weihnachten geschenkt. Für meinen hektischen Kopf gab Rita mir einen Rat, den ich allerdings, als ich wieder draußen war, sofort vergaß. Jetzt fällt er mir wieder ein. Ich ziehe meine Socken aus, tapse eine Weile barfuß auf dem Teppich herum und hoffe darauf, dass ich anfange, mich ,,verwurzelt" zu fühlen, damit mein Kopf nicht schon wieder in zorniges Zeter-Territorium abdriftet. Leider trete ich dabei auf etwas Spitzes, Scharfes - den Haken meines Kleiderbügels. Leise fluchend halte ich meinen Fuß fest und inspiziere ihn. Keine Ahnung, wie es sich anfühlen soll, wenn man verwurzelt ist, aber so bestimmt nicht.
Rita hat vorgeschlagen, ich solle barfuß laufen, am besten im Gras, und falls es nicht ginge, so oft wie möglich in meiner Wohnung.
Ich schaue nach draußen. In meinem Garten gibt es kein Gras. Das war nämlich das unaussprechlich Schreckliche, was ich vor vier Jahren, als ich hier eingezogen bin, getan habe: Ich war kein Garten-Fan, ich war neunundzwanzig, ich hatte viel zu tun, war kaum mal zu Hause und wenn, dann nie lange genug, um meinen Garten überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Um mir die Mühe zu sparen, habe ich den recht netten Garten der Vorbesitzer mit pflegeleichtem Steinpflaster ersetzen lassen.
Es sah beeindruckend aus, kostete ein Vermögen, und die Nachbarn waren entsetzt. Auf dem Weg neben meinem Haus ist immer noch Gras, aber darum kümmert sich mein Nachbar, Mr Malone, ohne mich zu fragen. Ich glaube, er sieht dieses Gras als sein Eigentum an, denn er war vor mir da, und was verstehe ich schon von Gras? Ich bin ja eine Gras-Abtrünnige.

Ich schaue hinüber zu Ihrem Haus. Nirgends brennt Licht. Um die anderen Häuser mache ich mir keine Sorgen. Die kümmern mich nicht. Ich ziehe einen Trainingsanzug an und gehe barfuß nach unten. Auf Zehenspitzen renne ich über die kalten Pflastersteine meiner Einfahrt und direkt zu dem Gras, das den Weg säumt. Erst mal untersuche ich das Gras auf Hundekacke. Und auf Schnecken, mit oder ohne Haus. Dann kremple ich die Jogginghose hoch und erlaube meinen Füßen, das nasse Gras zu betreten. Er ist kalt, aber weich. Ich kichere leise in mich hinein, wandere gemächlich hin und her und behalte dabei die mitternächtliche Straße im Blick.
Zum ersten Mal, seit ich hier wohne, habe ich ein schlechtes Gewissen, das ich meinen Garten zugepflastert habe. Ich schaue mir die Häuser ringsum an und sehe, wie dunkel und grau meines im Vergleich zu ihrer Buntheit wirkt. Nicht dass es im Januar sonderlich viel Farbe gibt, aber wenigstens durchbrechen die Büsche, die Bäume und das Gras das triste Grau der Betonwege, das Braun und Grau meiner Pflastersteine.
Ich bin freigestellt, befinde mich in einem sogenannten Gardening-Leave, wie man es manchmal nennt. Das hat zum Glück nichts mit Gärtnern zu tun, sonst hätte ich ein echt langes Jahr vor mir, um mich damit zu beschäftigen, die Ritzen zwischen den Pflastersteinen meines Gartens abzuspritzen und vom Unkraut zu befreien. Beim Gardening-Leave, muss ein Angestellter, der gekündigt hat oder gekündigt wurde, während der Kündigungsfrist der Arbeit fernbleiben, steht aber weiterhin auf der Gehaltsliste. Die Methode wird häufig eingesetzt, um zu verhindern, dass ein Arbeitnehmer aktuelle oder womöglich sensible Informationen nutzt, wenn er die Firma verlässt - vor allem dann, wenn er vorhat, zu einem Konkurrenzunternehmen zu wechseln. Larry war genau davon überzeugt: dass ich zu jener Konkurrenzfirma gehen würde, die ich zu überreden versucht hatte, uns aufzukaufen. Und er hatte recht. Ich hätte tatsächlich mit diesen Leuten zusammengearbeitet. Am Tag nachdem ich gefeuert worden war, haben sie mir eine Stelle angeboten. Doch als ich von der Freistellung erzählte, meinten sie, so lange könnten sie nicht warten - zwölf Monate Gardening Leave! -, und suchten sich jemand anderes. Die Länge meiner Freistellung hat nicht nur andere Arbeitgeber abgeschreckt, ich habe absolut nichts zu tun, während ich warte.
Nasse Grashalme kleben an meinen Füßen und arbeiten sich hoch bis zu den Knöcheln, während ich auf dem kleinen Wiesenstück entlangtrotte. Was passiert, wenn ich ein ganzes Jahr in der Warteschleife hänge und nichts dagegen unternehmen kann? Was soll ich tun?
Ich tapse durchs Gras, auf und ab, meine Füße werden allmählich kalt, aber in meinem Kopf summt und brummt eine neue Idee. Ein neues Projekt. Ein Ziel. Eine Aufgabe. Etwas zu tun. Ich werde den Boden unter meinen Füßen aufreißen, ich werde das Unterste zuoberst kehren, und das wird nicht schwer sein, denn mein Leben steht ja schon komplett Kopf.
Ich werde der Nachbarschaft ein Geschenk machen. Ich werde den Garten zurückholen.