Samstag, 16. April 2016

Schönheitsoperationen: Das solltest du wissen

Stimmt es, dass sich immer mehr Mädchen/junge Frauen unters Messer legen würden?

Gutes Aussehen steht ganz oben auf der Wunschliste von Mädchen/jungen Frauen, doch wie schlimm ist der Schönheitswahn wirklich? Wollen wirklich immer mehr Mädchen eine Schönheits-OP? Was muss man wissen, bevor man sich unters Messer legt? 

Elke Schwiegel (Geschäftsführerin von Clinic im Centrum über Schönheitschirurgie bei Jugendlichen): Die 18- bis 30-Jährigen machen heute etwa ein Drittel der Patienten in der ästhetisch-plastischen Chirurgie aus. Da dieses Thema inzwischen auch an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen hat, ist die Relevanz für junge Mädchen heute sicher höher als vor zehn Jahren. Auch wird dem Aussehen eine riesige, manchmal sicher unverhältnismäßige Bedeutung zugemessen, was grade bei unsicheren Mädchen einen großen Druck erzeugen kann. Hinzu kommen Probleme mit dem Aussehen, die durch die moderne Gesellschaft - zum Beispiel Bewegungsmangel und falsche Ernährung - entstehen. Hier wird die plastische Chirurgie oft als simples Hilfsmittel verstanden - was aber nicht ihre Aufgabe ist!

Woran liegt es, dass Mädchen so oft unglücklich mit ihrem Körper sind?
Elke Schwiegel: Da müssen wir zwischen begründeten und ,,eingebildeten" Problemen unterscheiden. Bei uns lernen wir immer wieder Mädchen kennen, die schon in jungen Jahren wirkliche Probleme haben. Diese können körperlicher Natur sein, wenn zum Beispiel zu große Brüste zu Haltungsschäden oder Rückenschmerzen führen. Dem gegenüber stehen Mädchen, die einem bestimmten Ideal, vielleicht einem Star, nacheifern und deren Wunsch nach Veränderung wenig mit der eigenen Person zu tun hat. Ein erfahrener Chirurg hinterfragt im Beratungsgespräch die Gründe und lehnt auch potentielle Patientinnen ab.






Was sind die häufigsten "Problemzonen" der Mädchen?
Elke Schwiegel: Hier geht es meist um die Korrektur vermeintlicher Makel wie einer zu großen oder schiefen Nase. Natürlich kommen auch Mädchen mit dem Wunsch nach einer Brustvergrößerung zu uns - oft aber mit unrealistischen Erwartungshaltungen und Vorstellungen. 
Wann ist eine Schönheits-OP sinnvoll?
Elke Schwiegel: Die Entscheidung zu einem operativen Eingriff sollte in jedem Fall wohl überlegt sein. Schließlich kann man das Ergebnis nicht einfach wieder rückgängig machen oder umtauschen wie einen Pullover. Man sollte sich auch nicht von den Wünschen anderer beeinflussen lassen, sondern sich sicher sein, dass man selbst den Eingriff und die damit verbundene Veränderung möchte. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass eine Operation natürlich auch Risiken mit sich bringt. Hat man Möglichkeiten und Risiken gegeneinander abgewogen und die Entscheidung gut überdacht, kann ein ästhetisch-plastischer Eingriff aber durchaus helfen, sich im eigenen Körper mehr zu Hause zu fühlen. Für Mädchen, die noch nicht volljährig sind, kommt aber ohnehin nur dann eine Operation in Betracht, wenn es eine Einverständniserklärung der Eltern oder einen medizinischen Grund gibt.



Wollen die Mädchen nach einer Beratung immer noch eine OP?
Elke Schwiegel: Das kann man so allgemein nicht sagen. In jedem Fall ist ein fundiertes und ausführliches Beratungsgespräch ungemein wichtig, da ein guter Chirurg auch über Risiken aufgeklärt und insbesondere unrealistische Erwartungen erkennt. Er macht dem Mädchen im Zweifelsfall auch klar, dass eine ästhetische Operation kein Schlüssel zur Lösung aller Probleme ist. Wenn nötig, vermitteln wir auch Kontakte zur Psychotherapie, um den jungen Frauen andere Wege aus ihrer Krise zu zeigen.



Ab welchem Alter darf sich ein Mädchen einer Schönheits-OP unterziehen?
Elke Schwiegel: Ist das Mädchen noch nicht volljährig, ist eine Einverständniserklärung der Eltern unabdingbar. Bei Clinic im Centrum operieren wir so junge Patientinnen sowieso nur in ganz besonderen Ausnahmefällen, z.B. bei körperlichen Beschwerden. Ästhetische Eingriffe lehnen wir - mit Ausnahmen von Nasenkorrekturen (ab 17 Jahren) - sowieso ab. Außerdem muss die körperliche Entwicklung weit genug fortgeschritten sein. Denn befindet sich er Körper noch im Wachstum, kann kein dauerhaftes Ergebnis erzielt werden. Dies wird ein seriöser Arzt beachten.





Was sagen eigentlich die Eltern der Mädchen, die zu Ihnen kommen?
Elke Schwiegel: Das kommt auf den Einzelfall an. Manche Eltern sind sehr dankbar, dass wir den Leidensdruck ihrer Kinder mindern können. Andere schätzen die seriöse Beratung: Denn es gibt durchaus Eltern, die selbst nicht wissen, wie sie mit den Wünschen und Vorstellungen ihrer Kinder umgehen sollen, und die sich freuen, wenn ein erfahrener Arzt den Kindern bestätigt, dass eine Operation kein Allheilmittel ist. 


Was kostet eine Schönheits-OP? Muss man sie selbst bezahlen?
Elke Schwiegel: Das kommt natürlich auf den Eingriff an. Eine Brustverkleinerung liegt zwischen 6.000 und 7.000 Euro, das Anlegen beider Ohren bei ca. 2.000 Euro. Der Preis sollte aber keinesfalls das Entscheidungskriterium für eine Klinik sein! Schließlich geht es um die eigene Gesundheit. Vorsichtig sollte man mit Billig-Angeboten sein, denn häufig wird hier an den Materialien gespart. Alle Eingriffe, die rein ästhetischen Zwecken dienen, muss man in jedem Fall selbst zahlen. Bei medizinischen Indikationen übernimmt die Krankenkasse oft die Kosten. Das ist aber eine Frage, die nur in einem individuellen Beratungsgespräch geklärt werden kann.


Wie findet man einen seriösen Chirurgen?
Elke Schwiegel: Zunächst bietet der Facharzttitel einen guten Hinweis. Der Begriff ,,Schönheitschirurg" ist in Deutschland leider nicht geschützt, was bedeutet, dass sich jeder Arzt so nennen darf. Ärzte, die die Bezeichnung ,,Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie" tragen, haben eine sechsjährige, sehr anspruchsvolle Zusatzausbildung genossen. Als nächstes sollte man ein Beratungsgespräch vereinbaren. Das ist auch gut für einen ersten Eindruck von der Klinik: Wirken Räume und Geräte alt oder vielleicht sogar dreckig, sollte man vorsichtig sein. Während des Gesprächs muss dann unbedingt geklärt werden, wie viel Erfahrung der Arzt bereits mit der Wunschoperation hat. Man sollte zum Beispiel gezielt fragen "Wie viele Nasen haben Sie schon operiert?" und sich Ergebnisse der OPs zeigen lassen. Im Gespräch sollte der Arzt auch die Risiken des Eingriffs benennen. Nach dem Gespräch lässt ein guter Chirurg dem potentiellen Patienten außerdem Bedenkzeit und drängt nicht zu einer Terminvereinbarung. 


Wie groß ist das Risiko, dass die OP schief geht und die junge Frau hinterher noch mehr unter ihrem Aussehen leidet?
Elke Schwiegel: Auch hier muss ich wieder auf den erfahrenden Chirurgen verweisen. Denn je öfter der Arzt die entsprechende OP schon durchgeführt hat, desto geringer ist auch das Risiko, dass es zu unerwünschten Ergebnissen kommt. Gleichzeitig müssen sich grade junge Mädchen klar sein, dass eine Schönheits-Operation natürlich mit Risiken verbunden ist: Das fängt mit der Narkose an und endet bei der Abheilung der Narbe. Eine Schönheits-OP darf nicht mal eben aus der Laune heraus passieren, das ist etwas ganz anderes als zum Beispiel eine knallige Haartönung.




In den USA ist eine Brust-OP zum 16. Geburtstag keine Seltenheit mehr. Wird das auch bei uns bald ,,normal`` sein?
Elke Schwiegel: Sicher hat die Akzeptanz des Themas ,,ästhetisch-plastische Chirurgie`` in den vergangenen Jahren auch bei uns zugenommen. Von ,,amerikanischen`` Verhältnissen sind wir aber noch weit entfernt. Ich denke, dass es hier auch nie so weit kommen wird. Denn zum Glück haben wir in vielen Bereichen andere Wertvorstellungen, betrachten unseren Körper zum Beispiel auch aus weniger oberflächlichen Gesichtspunkten. 



Was soll ein Mädchen zu ihrer Freundin sagen, die sich eine Schönheits-OP wünscht?
Elke Schwiegel: Sie sollte nach dem Grund fragen und vor allem gut zuhören. Ein schlichtes ,,Du spinnst doch, Du siehst doch gut aus``, ist für Mädchen mit einem - wenn auch nur für sie selbst erkennbarem - Problem oft nicht hilfreich. Gerade bei Mädchen, die sich mit einem Star vergleichen, kann es helfen, andere Vergleiche vorzuschlagen: Die Stars, mit denen sich die Mädchen vergleichen, verdienen ihr Geld mit ihrem Aussehen und können dementsprechend mehr Zeit etc. darauf verwenden, haben teilweise ganze Horden von Angestellte nur für den eigenen Look. Das sollte junge Mädchen genauso klar gemacht werden, wie die Tatsache, dass Bilder in Magazinen und im Fernsehen oft geschönt sind.